Johnny Bravo, Scandal und Drag’n Thrust sind US-Meister 2014

Am vergangenen Wochenende fand mit den US-Nationals eines der hochklassigsten Turniere der Welt statt. Nach einer langen Saison hatten sich 48 nordamerikanische Teams über diverse Ausscheidungsturniere für USA Ultimate Club Championships 2014 qualifizieren können. Die US-Meisterschaften fanden dieses Jahr erneut in Frisco (Texas) statt. In der Men’s-Division schieden die Topfavoriten früh aus, sodass Denvers Johnny Bravo erstmals den Meistertitel holen konnte. Bei den Damen und in der Mixed-Division konnten Scandal (Washington DC) und Weltmeister Drag’n Thrust (Minneapolis) jeweils ihre Titel verteidigen.

Ausführliche Spielberichte gibt es besonders bei Ultiworld, wie z.B.:
* Johnny Bravo Wins Their First National Championship
* Defensive-Minded Scandal Wins Back-to-Back Titles
* Drag’n Thrust Repeats As Mixed National Champion
* Ultiworlds Nationals 2014 Allstar-Team

Spielmitschnitte und Video-Highlights gibt es auf diesen Channels:
USA Ultimate | NexGen | FulCrum Pro | Ultiworld

Men’s-Division: WUCC-Finalisten scheitern früh, Johnny Bravo holt den Titel

Die Gruppenphase verlief in ihren Endresultaten ohne große Überraschungen. Die Favoriten Revolver, Machine, Sockeye und Johnny Bravo sicherten sich jeweils den Gruppensieg, was ihnen eine vermeintlich komfortablere Ausgangslage für die Achtelfinals verschaffen sollte. Dennoch sorgte am ersten Spieltag besonders das, erst in diesem Jahr neu gegründete, Team Pittsburgh „Temper“ für einigen Wirbel. In ihrem Pool konnten sie die späteren Halbfinalisten Ring of Fire (15:10) und GOAT (15:13) überraschend schlagen. Im Vorfeld der Nationals war dem Pittsburgher Team um Collegestars wie Tyler DeGirolamo und die Thorne-Brüder lediglich eine Außenseiterrolle attestiert worden.

Layout-Catch für Seattle Sockeye in der Gruppenphase. – Bild: Tino Tran

Bereits in der Gruppenphase hatten Siege wie die von Temper angedeutet, dass in den K.O.-Spielen mit einigen Upsets zu rechnen sein würde. Abhängig von der Tagesform konnte bei den Nationals jeder jeden schlagen. Und so sollte es auch kommen: In  Playoffs folgte ein großer Außenseitersieg dem nächsten. WUCC-Finalist Seattle Sockeye scheiterte im Achtelfinale an Lokalrivalen Portland Rhino im Universe Point mit 13:14 (Video, Spielbericht). Auch für Mitfavorit und #2-Seed Machine war bereits im Achtelfinale Schluss. Die Chicagoer, immerhin Champion der regulären Saison, unterlagen Raleighs Ring of Fire mit 9:12. Damit bleibt es dabei, dass Machine noch nie (!) gegen Ring of Fire gewinnen konnte (Spielbericht).

Titelverteidiger und Weltmeister San Francisco Revolver erwischte es in der nächsten Runde. Gegen Torontos GOAT gelang es Revolver im Viertelfinale nach 3:0-Führung nicht diesen Vorsprung zu halten. Angeführt von einem überragenden Mark Lloyd (5 Goals & 1 Assist gegen Revolver) kamen die Kanadier zurück und gewannen schließlich mit 13:14 im Universe Point (Video, Spielbericht).

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Playoffs Men’s-Division – zum Vergrößern klicken.

Am Samstag waren noch vier Teams im Titelrennen und es ging spannend weiter: Beide Halbfinals wurden erst im Universe Point entschieden. Boston Ironside sah gegen Ring of Fire lange wie der sichere Sieger aus, doch Raleigh gelang nach einem 11:6-Rückstand eine Aufholjagd zum 11:11-Ausgleich. Beim Stand von 12:12 ging dieses Halbfinale mit Offense für Ironside in den Universe Point. Über 20 Minuten, 17 (!) Foulcalls, vier Turnover und zwei Timeouts später landete die Scheibe mit etwas Glück in den Händen von Bostons Danny Clark, der Ironside mit diesem Score den Finaleinzug sichern konnte.

Im zweiten Halbfinale traf Revolver-Bezwinger GOAT auf #5-Seed Johnny Bravo. Denver entschied sich den erst 21-jährigen Stanley Peterson in der Defense auf GOAT-Star Mark Lloyd anzusetzen. Da Peterson seinen Gegenspieler oft erfolgreich aus dem Spiel nahm, zahlte sich diese Strategie letztendlich aus. Dennoch entwickelte sich ein äußerst knappes Spiel, in dem es den Kanadiern nach 8:6-Rückstand noch gelang den Universe Point zu erzwingen (13:13). Johnny Bravo gab jedoch in diesem entscheidenden Punkt keine Scheibe mehr ab und das siebte Goal des Spiels für Kurt Gibson besiegelte Denvers Einzug ins Finale der US-Meisterschaften.

UltiPhotos: Saturday Highlights - 2014 National Championships &emdash; Saturday Highlights - 2014 USAU National Championships

Claphams Justin Foord spielt die US Nationals mit GOAT. Hier mit einem Layout-Catch im Halbfinale gegen Johnny Bravo. – Bild: Ultiphotos

Finale: Weder Ironside noch Johnny Bravo konnte bislang jemals eine US-Meisterschaft gewinnen. Das sollte sich am Sonntagnachmittag in Frisco jedoch für ein Team ändern.

Gleich im ersten Punkt stand das Duell zwischen den beiden Topstars Jimmy Mickle und George Stubbs im Mittelpunkt. Nach einem Huck konnte sich Mickle in einem Luftduell eindrucksvoll gegen Stubbs durchsetzen und den ersten Score des Tages einstreichen. Im weiteren Verlauf der ersten Hälfte konnte sich kein Team entscheidend absetzen und so ging das Spiel nach vielen getradeten Punkten bei 8:7 für Denver in die Pause.

UltiPhotos: Sunday Highlights - 2014 National Championships &emdash; USAU Nationals 2014 Championship Finals

Mickle und Gibson bejubeln die Meisterschaft. – Bild: Ultiphotos

Hälfte 2 war geprägt von zahlreichen Turns beider Teams. Letztlich konnte Johnny Bravo aber mehr von diesen Breakgelegenheiten verwerten, erstmals zum 11:9 durch einen kurzen Scoober auf den einlaufenden Nick Lance. Nach Scores von Brodie Smith (12:10) und Brian Garcia (12:11) stand Ironside in einem Spiel auf 13 mit dem Rücken zur Wand, musste also die Defense holen. Doch eine abgeklärte Offense seitens Johnny Bravo entschied das Spiel. Denvers Stars, Jimmy Mickle und Kurt Gibson, beendeten das Finale mit einem Zusammenspiel kurz vor Bostons Endzone und krönten Johnny Bravo erstmals zum US-Meister.

Mickle ist indes der erste und einzige Spieler der je Club-Championships, die US-Collegedivision (mit Colorado Mamabird) sowie den Callahan Award (eine Art MVP-Award im Collegeultimate) in einem Kalenderjahr gewinnen konnte. Eine großartige Saison endet also für den 23-jährigen Chemical and Biological Engineering-Studenten.

UltiPhotos: Sunday Highlights - 2014 National Championships &emdash; USAU Nationals 2014 Championship Finals

Vorhand-Break von Nick Lance zum Score. – Bild: Ultiphotos

Endplatzierungen US-Nationals 2014 - Men's-Division:
 1. Johnny Bravo (Denver)
 2. Ironside (Boston)
 3. GOAT (Toronto)
 3. Ring of Fire (Raleigh)
 5. Revolver (San Francisco)
 6. Rhino (Portland)
 7. Chain Lightning (Atlanta)
 7. Truck Stop (Washington DC)
 9. Sockeye (Seattle)
 9. Doublewide (Austin)
 11. PoNY (New York)
 12. Temper (Pittsburgh)
 13. Furious George (Vancouver)
 14. Machine (Chicago)
 15. Prairie Fire (Kansas City)
 16. Sub Zero (Minneapolis)

Alle Scores, Brackets und Ergebnisse

US-Champion 2014: Johnny Bravo. – Bild: Ultiphotos

Women’s-Division: Scandal lässt Topfavoriten hinter sich

Bei den Damen blieb zunächst jeglicher Überraschungssieg aus. Bis einschließlich zum Viertelfinale konnte sich jeweils das höher geseedete Team – wenn auch manchmal haarscharf – durchsetzen, sodass die vier Topseeds Boston Brute Squad, Seattle Riot, San Francisco Fury  und Washington DC Scandal alle die Halbfinals erreichen konnten. Damit standen zu Recht die aktuell besten Teams der USA in den Halbfinals: Brute Squad ging mit dem Turniersieg beim Pro Flight Finale im Rücken als #1-Seed in die Nationals, Riot hatte in Lecco die Weltmeisterschaft gewonnen, Rekordmeister Fury ist das wohl beste Damenteam des letzten Jahrzehnts und für Scandal galt es natürlich einen Titel zu verteidigen.

Gruppenphase: Nighlock vs. Molly Brown. – Bild: Ultiphotos

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Playoffs Women’s-Division – zum Vergrößern klicken.

Die Titelverteidigerinnen konnte sich im Halbfinale überraschend deutlich gegen Brute Squad durchsetzen. Scandal erarbeitete sich eine frühe Führung (8:3), die anschließend nicht mehr aus der Hand gegeben wurde und in einem dominanten 15:7-Sieg mündete. Im zweiten Halbfinale kam es zum Rematch der beiden WUCC-Finalisten Fury und Riot. Fury nutzte diese Chance auf eine Revanche. San Francisco gelang es zunächst einen 3:5-Rückstand auszugleichen, um dann nach und nach die Kontrolle über das Spiel zu gewinnen. Am Ende konnte Fury das Spiel mit 12:10 für sich entscheiden und so darauf hoffen im Finale die nächste offene Rechnung zu begleichen. Gegen Scandal hatte Fury nämlich schon 2013 im Finale der Nationals gespielt und bekanntermaßen überaus deutlich verloren.

UltiPhotos: Sunday Highlights - 2014 National Championships &emdash; Sunday Highlights - USAU 2014 National Championships

Octavia Payne mit einer Layout-D im Finale. – Bild: Ultiphotos

Aus der zweiten Revanche wurde jedoch nichts, obwohl Fury zunächst besser in das Damen-Endspiel startete und mit 3:5 in Führung ging. Angeführt von Nationalspielerin Octavia Payne (3 Assists & 1 Goal im Finale) und Alicia White (5 Goals im Finale) kam Scandal zurück und konnte noch in der ersten Halbzeit seinerseits in Front gehen (8:6). In der Endphase des Finals (9:9) trat der Titelverteidiger sicherer auf und konnte im Gegensatz zu Fury wichtige Turnover in Scores ummünzen. Dank dieser Punkte konnte Scandal schließlich mit einem 12:10-Erfolg die Titelverteidigung gegen Fury feiern.

Endplatzierungen US-Nationals 2014 - Men's-Division:
 1. Scandal (Washington DC)
 2. Fury (San Francisco)
 3. Riot (Seattle)
 3. Brute Squad (Boston)
 5. Ozone (Atlanta)
 6. Showdown (Austin)
 7. Nightlock (San Francisco)
 7. Traffic (Vancouver)
 9. Molly Brown (Denver)
 9. Schwa (Portland)
 11. Heist (Madison)
 12. Underground (Seattle)
 13. Nemesis (Chicago)
 14. Capitals (Toronto)
 15. Green Means Go (Philadelphia)
 16. Tabby Rosa (Florida)

Alle Scores, Brackets und Ergebnisse
UltiPhotos: Sunday Highlights - 2014 National Championships &emdash; USA Ultimate National Championships 2014 - Sunday Highlights

Kapitänin Opi Payne führt Scandal zum zweiten Clubtitel. – Bild: Ultiphotos

Mixed-Division: Minneapolis Drag’n Thrust verteidigt Nationals-Titel

Drag’n Thrust hat in diesem Jahr alles gewonnen, was es in der Mixed-Division zu gewinnen gibt. Im August konnte Drag’n Thrust in Lecco den Weltmeistertitel erringen und am Sonntag in Frisco seinen US-Meistertitel verteidigen.

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Playoffs Mixed-Division – zum Vergrößern klicken.

Während sich Minneapolis ungeschlagen durch Gruppen- und K.O.-Phase spielte, ging es im Rest des Brackets nicht ganz wie geplant zu. So schied z.B. #1-Seed Polar Bears bereits im Achtelfinale aus und gleich mehrere Außenseiter machten von sich reden. Seattle Mixed etwa war als #12 Seed in die Nationals gestartet und zog mit Siegen über Santa Maria (Columbus) und Wild Card (Boston) überraschend ins Endspiel ein. Vor dem Turnier hatte sich Seattle auf Druck des Verbandes von seinem ursprünglichen Namen „Ghetto Birds“ trennen müssen, spielte aber trotzdem in seinen normalen Trikots. Da Seattle nun plötzlich und unerwartet im Finale stand, wurde in einer Nacht- und Nebelaktion noch kurzfristig ein neuer Satz Trikots für Seattle gedruckt.

UltiPhotos: Sunday Highlights - 2014 National Championships &emdash; Sunday Highlights - 2014 USAU National Championships

Mixed-Finale: Seattle Mixed vs. Drag’n Thrust. – Bild: Ultiphotos

Aber die neuen Trikots schienen Seattle nicht zu beflügeln. Drag’n Thrust setzte sich schnell mit 3:1 ab und baute sich eine komfortable Führung auf (11:4). Zwar gelangen Seattle noch ein paar Ehrenpunkte, doch konnten sie den amtierenden Weltmeister nie ernsthaft in Gefahr bringen. Endstand 15:9 für Drag’n Thrust.

Endplatzierungen US-Nationals 2014 - Mixed-Division:
 1. Drag'n Thrust (Minneapolis)
 2. Seattle Mixed (Seattle)
 3. Wild Card (Boston)
 3. The Chad Larson Experience (Ames)
 5. Mischief (San Francisco)
 6. Blackbird (San Francisco)
 7. Santa Maria (Columbus)
 7. Bucket (Atlanta)
 9. AMP (Philadelphia)
 9. Slow White (Boston)
 11. Polar Bears (Berkely)
 12. 7 Figures (Los Angeles)
 13. American Barbecue (San Francisco)
 14. The Administrators (Oregon)
 15. Cosa Nostra (Austin)
 16. D'oh! Abides (Seattle)

Alle Scores, Brackets und Ergebnisse
UltiPhotos: Awards - 2014 National Championships &emdash; USAU Club Nationals 2014

US-Mixed-Champion 2014: Minneapolis Drag’n Thrust. – Bild: Ultiphotos

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